Oktober 2010
Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen Schatten.
Wieder mal geht ein Internationales Beethovenfest zu Ende, um das Bonn von vielen in der Republik beneidet wird. Es ist nicht das Bonner Verdienst, dass Ludwig van Beethoven vor 240 Jahren in unserer Stadt geboren worden ist. Es ist aber eine Bonner Chance, aus diesem Glücksfall der Geschichte mehr zu machen. Daher verwundert es nicht, dass gerade wieder in der Festivalzeit viele aufmerksame Zeitgenossen den Zustand der Bonner Beethovenhalle – und manche meinen: der Bonner Kultur insgesamt – beklagen. Nicht zeitgemäß, nicht zukunftsfest – so oder so ähnlich lauten die Kommentare zu dieser Halle. Mag es auch sein, dass dort Geschichte geschrieben worden ist: Zukunft – für die Bonner Kultur – wird dort sicher nicht mehr lange geschrieben. Es ist Karin Hempel-Soos zu verdanken, dass eine bundesweite Initiative für den Bau eines neuen Festspielhauses entstanden ist, die bis zum Frühjahr sehr erfolgreich gearbeitet hat. Ein Entwurf wurde erarbeitet, ein Standort war auserkoren, die Finanzierung durch Zusagen großer Unternehmen war in greifbare Nähe gerückt. Aber in Teilen der Bonner Öffentlichkeit und in der schwarz-grünen Koalition im Stadtrat fehlte der Mut, die Chance zu ergreifen. Das unklare Agieren der Verwaltung tat ihr Übriges: Das Projekt wurde „zurückgestellt“. Es ist nicht verwunderlich, dass sich eines der ursprünglich zur Finanzierung bereitstehenden Unternehmen nach einer Schamfrist nun erklärte, für die Baukosten nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Ein unpassender Zeitpunkt, den das Unternehmen wählte; unpassend aber auch die Reaktionen derer im Rat, die „schon immer wussten“, dass das Projekt nicht gelingen könne – nicht gelingen dürfe –, weil sie die Chance nicht sahen und sich mehr in die Probleme denn in deren Lösung verliebt hatten. Erfreulich, dass in dieser Lage die Anhänger des Projektes mutig Position beziehen und auch auf die Fehler der letzten Monate schonungslos hinweisen. Ob sie sich durchsetzen, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob die Bremser im Rat, wie es Professor Harnischfeger so deutlich wie treffend formulierte, den Tritt auf die Bremse lockern und dem Unternehmen wieder Tempo ermöglichen.Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Aber der Grad der Hoffnung schwindet umso mehr, je mehr beobachtet werden muss, wie kleinteilig die aktuelle Ratsmehrheit Kulturpolitik betreibt. Ohne jede Vision, ohne jedes Verständnis für das Potenzial, das das Zusammenwirken von „hoher“ und „freier“ Kultur darstellt. Kein Mut, Neues zu denken. Verzagtes Grübeln dort, wo mutiges Voranschreiten und Vordenken erforderlich wäre. Wo das Bekenntnis zu attraktiver „freier“ Kultur zusammenpasst zum Bekenntnis zu neuen - auch für private Geldgeber - attraktiven Leuchttürmen der Bonner Kultur. Oder um es mit Karl Kraus zu sagen: „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen Schatten.“
Der Bonner Kulturgarten ist lebendig, attraktiv und bunt - und das soll er auch bleiben. An kulturpolitischen Zwergen mangelt es ihm aber nicht.






