März 2011
Närrische Tage
Die Rheinländer – und auch die Rheinländerinnen – rühmen sich ihrer saisonalen (Jecke sagen: sessionalen) Verrücktheit. Nicht wenige in der Republik fragen dann aber: Seid Ihr eigentlich immer „jeck“? Nein, mitnichten. Der Rheinländer – und auch die Rheinländerin – ist ein besonnenes Wesen, durchaus vernunftbegabt, aber mit einem Hang zur Leichtigkeit, vielleicht auch Lässigkeit. Levve und levve losse, aber ernst, wenn es um die Heiterkeit geht – das gilt sicher nicht nur im Karneval. Aber alles in Maßen. Und alles zu seiner Zeit. Der Bonner Rat setzt aber seit Monaten neue Maßstäbe und begründet den ganzjährigen (schlechten) Karneval.Das Literatenkomitee der Schwarz-Grünen Funken verantwortet ein Programm, das gespickt ist mit altbekannten Kräften, die die großen Bühnen gesehen, aber lange nicht mehr betreten haben. Wie es zu einer richtigen Karnevalssitzung gehört, gibt es natürlich auch eine Festschrift, die täglich erscheint und immer wieder aufs Neue das Literatenkomitee und sein Programm über den grünen (oder schwarzen) Klee lobt, selbst wenn die Kräfte zum zehnten Mal den alten, schon lange kein närrisches Kränzchen mehr zum Schunkeln bringenden Witz erzählen. Auch dass große Teile des Publikums das Programm langatmig, großmäulig und wenig zündend finden, beeindruckt das Literatenkomitee nicht – die Festschrift ist immer noch voll von bunten Bildern, reißenden Berichten und Schenkelklopfer-Kommentaren.
Dennoch – die Bude ist in jeder Sitzung (ziemlich) voll und auch das Internet überträgt jedes Mal die Gala-Prunk-Sitzung der Schwarz-Grünen Funken. Was gibt es zu sehen? Den Reigen eröffnet der schwarze „Oberkasseler Jung“, der das Publikum mit einem langen, mit Fragen gespickten Vortrag in die Stühle presst und immer ankündigt, jetzt, gerade jetzt, müsse aber was passieren, wenn die Sohle 27 auch durchgeprüft ist. Meist folgt dann der grüne „Betroffene Peter“, der in seinem Beitrag immer alle nett findet, ihnen dann aber eins auf die Nase gibt oder sonstige Körperteile angreift. Gerne genommen wird auch der „Schwarze Riese“, der in alten B-Movies schon mal als Großinquisitor brilliert hat. Spannend sind immer wieder Überraschungsgäste – da ist zuvorderst zu nennen „Bürger Bernie“, der über Wunderheilung vom plötzlich und absolut dienstunfähigen Stadtdirektor, gezwungen zum Spazierengehen auf Steuerzahlerkosten, zum quirligen und sehr gesunden Oberbürgermeisterkandidaten parliert. Je nach Länge des Programms rufen die Schwarz-Grünen Funken dann schon mal die Marie-Luise Nikuta der Bonner Kommunalpolitik, „Pee Dabbeljuh“, auf die Bühne, die mit stets gleicher Melodie und Leidenschaft ihren Sing-Sang zum Besten gibt. Nicht wegzudenken sind auch die „Jungs us de letzte Reih“, die darüber singen, dass sie von nix ne Ahnung haben, aber davon viel. Und statt Raketen gibt es Vertagungen, statt Alaaf „Prüfung“.
Und so geht das vom 11. im 11. bis zum Aschermittwoch – und von Aschermittwoch bis zum 11. im 11. Die Bude voll, die Stimmung mies. Und die ganze Republik fragt: Seid Ihr eigentlich immer jeck? Und alles bezahlt von Steuerzahlern. Nur gut, dass bei der Bürgerbefragung „Bonn packt sich an“ die Forderung erhoben worden ist, dass der Karneval nicht mehr von öffentlichen Geldern finanziert werden soll. Bei den Sitzungen der Schwarz-Grünen Funken zu sparen, wäre da schon mal ein guter Anfang. Denn sonst ist bald in Bonn das ganze Jahr Aschermittwoch. In diesem Sinne – 3 x Bonn „Prüfung“!






