Oktober 2011
Maulhelden
Dem Rheinländer wird nicht eben nachgesagt, auf den Mund gefallen zu sein. Oder dass er zur Schweigsam- und Einsilbigkeit neigt. Er gilt als kommunikativ und unterhaltsam. Folgen muss das nicht immer haben – Hauptsache, man hat drüber geredet.Was dem Rheinländer zur Ehre gereicht, kann in der Politik aber nicht gefallen. Da ist es dann eher Geschwätzigkeit und Großspurigkeit, wenn den großen Worten keine Taten folgen. Und dem Wähler gefällt es auch nicht.
Konjunktur haben diese Ankündigungspolitiker immer genau dann, wenn sie nichts zu sagen haben. Dann erzählen sie, was sie alles tun werden, und fordern die anderen auf, ihnen gleichzutun. Und dann werde schon alles gut. Da wird gefordert, neue Schulen zu bauen, neue Wohnungen zu errichten, unliebsame Mitarbeiter einfach zu kündigen, Gehälter in kommunalen Unternehmen zu begrenzen und zu kürzen. Und sie sonnen sich im Lichte dieser schönen und populären Forderungen und teilen sie jedem mit, der sie hören will. Sie sind kommunikativ und unterhaltsam. Nur Folgen hat das nicht.
Richtig auffallen tut das aber erst, wenn diejenigen, die das fordern, dann doch mal was zu sagen haben, und zwar richtig. Wo sie mit ihrer Mehrheit alles das umsetzen können, was sie vorher gefordert haben. Sie können die Schule neu bauen, die sie immer gefordert haben, sie können für ein verstärktes Wohnungsprogramm stimmen und sie können die Gehälter in den kommunalen Unternehmen kürzen.
Sie können es, sie tun es aber nicht. Sie lassen ihrer Redseligkeit keine Taten folgen. In der Politik nennt man diese Politiker aber nicht „Rheinländer“, sondern schlicht und einfach Maulhelden.






