November 2011

Festspiele

Die Festspiele 2020 können kommen. Kraftvoll und mit großer Leidenschaft hat der Rat beschlossen, das Bonner Juwel ‚Beethoven‘ mit einem Diamanten zu veredeln. Vorangegangen war eine engagierte Debatte, in der die Unterstützer des Projektes sich in gegenseitiger Wertschätzung übertrafen…

Aufwachen. Das war nur ein Traum. Oder vielleicht eine Erwartung, die man angesichts der Vorgeschichte und Bedeutung des Projektes „Neubau Festspielhaus“ hätte haben können. Aber mitnichten. Dennoch hat es Festspiele gegeben. Und zwar die Festspiele der schwarz-grünen Ratsmehrheit. Festspiele des Machterhalts und der Machtdemonstration. Und diese Festspiele folgen einem bestimmten Plan, einem Programm, das von Rechthaberei, Kritikunfähigkeit und Visionslosigkeit bestimmt wird.

Was sich nicht nur beim Festspielhaus zeigte. Dort zeigte die mediale Kritik an der Arroganz von Schwarz-Grün zumindest insofern Wirkung, als dass die Positionen leicht zurückgenommen wurden. Aber wirklich einsehen mochte man den Fehler nicht. Im Gegenteil – man sei doch nur falsch verstanden und im Übrigen nicht richtig informiert worden. Genau – die anderen sind schuld, wenn sie die Weisheiten der Mehrheitsführer nicht verstehen können. Denn es kann nur eine Wahrheit geben; und die ist bei Schwarz-Grün zu Hause. Kein Wort davon, dass der grüne Schwanz mit dem schwarzen Hund wackelt, dass Kultur bei der CDU keinen hohen Stellenwert hat, dass bürgerschaftliches Engagement bei der Union nur etwas für die Galerie ist, dass die Entschlossenheit fehlt, ein solch wichtiges Projekt stemmen zu wollen. Und im Übrigen – man sei ja schon immer dafür gewesen. Und ohne die Mehrheit gebe es das Projekt ja gar nicht.

Verkehrte Welten, getrübte Sichtweisen.

So war es auch bei den Debatten um die Parkgebühren und die Vergütungen bei kommunalen Unternehmen. Waren die Grünen früher mal gegen kostenloses Kurzzeitparken und für umfassende Bewirtschaftung des öffentlichen Parkraumes, sind sie jetzt gegenüber der Union eingeknickt. Nichts gegen einen Kompromiss. Aber herausgekommen ist ein Gewusel an Regelungen in der Stadt, gegen das ein Flickenteppich eine geordnete Formation ist. Alles nur, damit sich die Koalition irgendwie einigen kann. Und bei den Vergütungen kommunaler Unternehmen? Nachdem der grünschwarze Geschäftsführer vollmundig gefordert hatte, die Gehälter seien auf das Niveau der Bundeskanzlerin zu deckeln (was unsere Zustimmung findet und auch gefunden hat), werden er und seine ganzen tapferen Grünen zurückgepfiffen, und die Sache geht in einer Prüfung, einer Überarbeitung, einer systematischen Untersuchung unter. Aber beides ist im Ergebnis dann konsequent. Heißt es.

Stimmt. Es ist konsequent, weil Rechthaberei, Kritikunfähigkeit und Visionslosigkeit ja die Programmideen dieser Ratsmehrheit und ihrer Festspiele sind. Diese Festspiele hat Bonn schon. Ob sich daraus aber auch Festspiele für die Stadt ergeben, muss gerade nach diesem Monat bezweifelt werden.