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Fraktion in Aktion

Sebastian-Dani-Medaille 2017

Seit 2004 verleiht die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Bonn in Erinnerung an Sebastian Dani, den legendären Stadtdirektor der Nachkriegszeit, die „Sebastian-Dani-Medaille".

Sebastian Dani, Bonner Stadtdirektor von 1946 bis 1964, fühlte sich bei seiner Arbeit für das Soziale Bonn stets dem Leitsatz „Wir müssen helfen und nicht Akten anlegen“ verpflichtet. Im Krieg von den Nazis verfolgt, war er in den Jahren des Wiederaufbaus für den gesamten Sozialbereich der Stadt Bonn verantwortlich.

Die Ausschreibung 2017

Menschen, die sich ehrenamtlich für andere engagieren, sollten gefeiert und geehrt werden. Wer Menschen kennt, die sich ganz selbstverständlich und unbürokratisch engagieren, kann formlos bis zum 26. Mai 2017 einen Vorschlag einreichen bei der

SPD-Fraktion im Rat der Stadt Bonn
Altes Rathaus am Markt, Markt 2
53111 Bonn

Vorschläge werden auch per E-Mail spd.ratsfraktion@bonn.de oder per Fax unter 0228/658220 entgegengenommen.

Eine unabhängige Jury wird aus den eingegangenen Vorschlägen die Preisträgerin oder den Preisträger auswählen.


Die Preisträger seit 2004

Die Mitglieder des Vereins Dünenfüchse Tannenbusch e.V. sind ein Zusammenschluss engagierter Bürger rund um das Naturschutzgebiet „Düne Tannenbusch“. Sie leben gerne in Bonn-Tannenbusch, weil sie die Wohnqualitäten dieses Stadtteils kennen und schätzen gelernt haben.

Der Verein ist hervorgegangen aus einer Mieterinitiative in der HiCoG-Siedlung Bonn-Tannenbusch. Die Siedlung wurde nach dem Krieg für deutsche Mitarbeiter des amerikanischen High Commissioner of Germany (HiCoG) gebaut. Zweck des Vereins ist es, im Stadtteil Bonn-Tannenbusch Bildung und bürgerschaftliches Engagement zugunsten gemeinnütziger Zwecke zu fördern.

Die Mitglieder des Vereins wollen den Gedanken der „Graswurzeldemokratie“ (engl.grassroot democracy) beherzigen und mit Leben füllen. Sechs Jahre nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur und nach dem Ende des Krieges gaben die amerikanischen Bauherren dem Architekten Sep Ruf den Auftrag, die Wohnsiedlungen für ihre deutschen Mitarbeiter in Bonn nach dem Konzept einer demokratischen Siedlungsarchitektur zu bauen. Die Wohnanlagen sollten der Tatsache entsprechen, dass Demokratie von unten entsteht und dass sich eine Gesellschaft von ihrer zivilen Basis her erneuern kann. Die Häuser in den HiCoG-Siedlungen stehen zum großen Teil zweispännig um begrünte Innenhöfe. Die Hauseingänge sind einander zugewandt, damit die in kleinen Nachbarschaftseinheiten lebenden Menschen miteinander in Kontakt kommen, miteinander sprechen und ihre Angelegenheiten als Bürger – so weit, wie möglich – selber regeln.

Monika Bühler gehört zur Beueler Initiative gegen Fremdenhass und setzt sich seit vielen Jahren für die Sorgen und Probleme ausländischer MitbürgerInnen ein. Sie gründete einst in Beuel das Café international, das zum Treffpunkt vieler MigrantInnen wurde.

Die Initiative hilft syrischen Familien, die über das NRW-Sonderprogramm einen vorübergehenden Bleibe-Status erhalten haben. Die Initiative bürgt für zwei syrische Familien, die ihre Heimatstadt Aleppo verlassen mussten. Die Bürgen übernahmen alle Kosten. Die beiden Familien wurden durch ihre in Beuel ansässigen Verwandten im NRW-Sonderprogramm für syrische Flüchtlinge registriert, das ausschließlich für Angehörige von hier lebenden Personen gilt. Wer auf diesem Weg nach Deutschland gelangt, erhält keine staatlichen Versorgungsleistungen. Für alle Kosten für Wohnung und Lebensunterhalt jedes einzelnen Flüchtlings, ob Kind, ob Erwachsener, müssen private „Bürgen“ aufkommen, die eine förmliche zeitliche unbegrenzte Verpflichtung eingehen.

Monika Bühler, ehemalige Grundschullehrerin aus Beuel, ist die maßgebende und treibende Kraft bei der Unterstützung der Familien und organisierte mit ihrem Team die Bürgen. In Ihrem Ruhestand verbringt sie den Großteil ihrer Zeit damit, vielen Kindern Nachhilfe zu geben, Wege zum Jobcenter zu begleiten, Formulare auszufüllen, Möbel und Kleidung zu organisieren. Sie ist diesen Flüchtlingen eine unersetzbare Hilfe. Das Projekt hat überregional Beachtung gefunden.

Pfarrer i. R. Christoph Nicolai und die Flüchtlingshilfe Syrien, unterstützt von der evangelischen Johanneskirchengemeinde Bad Godesberg, organisiert Verpflichtungserklärungen, sodass Menschen aus Syrien hier gut ankommen und Familien zusammengeführt werden können. In den Kirchengemeinden des Bereichs wird nach Wohnungen gesucht, auch in der ehemaligen Küsterwohnung wohnen drei syrische Geschwister. Der Kreis ist groß, arbeitet sehr effizient und mit großer Sorgfalt. Dadurch werden immer mehr Menschen ermutigt, solch eine Verpflichtungserklärung zu unterschreiben, weil die Gruppe sie im Ernstfall auch finanziell unterstützen würde. Der Kreis trifft sich alle 2 -3 Wochen nach dem Gottesdienst in der Gemeinde.

Der Deutsche Kinderhospizverein e.V. begleitet Kinder und Jugendliche, die eine lebensverkürzende Erkrankung haben, ihre Geschwister und Eltern von der Diagnose der Erkrankung an, im Leben und im Sterben und ihre Familien bis über den Tod hinaus.
Der „Ambulante Kinderhospizdienst Bonn“, der aus dem Jahr 2005 gegründeten „Ambulanten Hospizdienst Bonn/Rhein-Sieg“ hervorging, betreibt familiäre Sterbebegleitung „in den eigenen vier Wänden“ mit acht ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Dezember 2011 Bonn.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderhospizdienstes in Bonn kommen auf Wunsch der Familien und abgestimmt auf deren Bedürfnisse regelmäßig ins Haus und bieten unterschiedlichste Hilfestellungen an; beispielsweise die Betreuung des kranken Kindes oder die der nicht kranken Geschwister, aber auch die reine Anteilnahme durch Gespräche mit den Familienmitgliedern. Der Verein versucht den Familien eine größtmögliche Entlastung zu bieten.

MediNetzBonn e.V. arbeitet seit 2003 daran, in Bonn ein heilberufliches Netz für eine kostenlose und anonyme medizinische, psychologische und zahnmedizinische Behandlung für Menschen ohne Papiere oder mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus aufzubauen. Der Verein sieht seine Aufgabe in der unbürokratischen Vermittlung von Behandlungsterminen bei Fachkräften. Im Einzelfall werden die Kosten für Medikamente übernommen und Dolmetscher bereitgestellt.

Monika Heimerzheim hat sich bei den Naturfreunden Bonn e.V. seit gut 35 Jahren der Aufgabe verschrieben, Kindern und Jugendlichen Natur nahe zu bringen. Dazu gehört auch die Organisation von Stadtranderholungen für Kinder und jugendliche, die sonst nicht in Urlaub fahren können und so die Gelegenheit erhalten, unbeschwerte Ferientage in und mit der Natur verbringen zu können. Kinder und Jugendliche aktiv werden zu lassen; sie anzuleiten, eigenständig ihre Umwelt zu erkunden und zu erfahren.

Für den Beueler Hospizverein e.V., einer ökumenischen Initiative zur ambulanten Begleitung in schwerer Krankheit, bei Abschied und Trauer, nahm stellvertretend Bettina Gummel, 1. Vorsitzende des Hospizvereins Beuel, die Sebastian-Dani-Medaille entgegen. Sie und ihre Helferinnen und Helfer arbeiten mit Kranken und deren Angehörigen ehrenamtlich, engagiert und einfühlsam.

Katja S. Martini engagiert sich sei 15 Jahren ehrenamtlich als Vorsitzende der Leukämie-Initiative Bonn e.V.. Mit unermüdlichen Einsatz und nicht nachlassender Freude hilft sie lebensbedrohlich erkrankten Leukämie-Patienten, ihre Lebenssituation auf der Station Liebermeister im Paul-Ehrlich-Haus in der Medizinischen Universitätsklinik Bonn zu verbessern, sie zu unterstützen und am Leben teilhaben zu lassen. Sie hilft zusammen mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unbürokratisch und unermüdlich.

Gegründet wurde "Sterntaler e.V., Sozial Sponsoring für Kinder und Jugendliche aus Endenich/Dransdorf" am 29. November 1995; seit 2001 ist der Sterntaler e.V. für alle Bonner Kinder und Jugendliche da, die Hilfe brauchen. Goldene Sterne regnet es nicht über bedürftige Kinder in Bonn, aber sie bekommen durch „Sterntaler“ praktische Hilfe (Lernmaterialien, Bücher, Hausaufgabenhilfen, Unterstützung bei Klassenfahrten oder Instrumentalunterricht) und einiges mehr.

Die Vorsitzende Doris Meyer hilft, wo schnelle und unbürokratische Hilfe nötig ist. Bill Mockridge, bekannt als „Springmaus“-Gründer, Kabarettist und Schauspieler, ist Schirmherr von „Sterntaler“. Er macht Benefiz-Veranstaltungen und ist ständig bemüht, Sponsoren für den Verein zu finden.

Friedel Kohnert hat fast 25 Jahre ehrenamtlich und nur gelegentlich mit Hilfe anderer jeden Monat einen Seniorennachmittag in Poppelsdorf ausgerichtet. Aus dem monatlichen Treff, bei dem es neben einem geselligen Teil immer auch altersspezifische Informationsangebote gab, entwickelte sich im Laufe der Jahre ein Hilfeangebot für Betreuung Älterer, das sie ganz allein getragen hat.

Besonders verdient gemacht hat sich Friedel Kohnert bei der Betreuung von Aussiedlerfamilien, die sie zu ihren Nachmittagen einlud und damit aus der Isolation herausholte. Sie wurde zur Ansprechpartnerin für ältere Aussiedlerfamilien mit ihren vielen Problemen und versuchte zu helfen. Sie half ihnen zum Beispiel bei der Wohnungssuche oder begleitete sie immer wieder zu den verschiedensten Ämtern.

Friedel Kohnert sah es als selbstverständliche Pflicht an, zu helfen, sobald sie von einer Notlage wusste. Krankenbesuche zu Hause und im Krankenhaus jeweils mit dem Angebot weiter zu helfen, Besuche bei allein lebenden und einsamen Älteren gehörten dazu. Bald wuchs der Kreis der von ihr betreuten Menschen über Poppelsdorf hinaus.

2006 - Klaus Liedtke und Ilse Denda

2005 - Angelika Marquardt

2004 - Heike und Erwin Thiebes


Der Namensgeber

Sebastian Dani wird am 14.10.1899 in Hausen bei Mayen/Eifel geboren. Nach dem Besuch der Volksschule macht er eine Bäckerlehre, die er 1913 mit der Gesellenprüfung abschließt.

1920 tritt er in die SPD ein. 1921 wird er Deutscher Meister im Ringen. Im gleichen Jahr heiratet er. In der Ehe werden zwei Kinder geboren. 1922 legt er die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk ab, von 1925 bis 1927 besucht er die staatliche Fach- und Wirtschaftsschule in Düsseldorf. Er ist der beste Abschlussschüler. Dann wechselt er den Beruf und ist von 1928 bis 1933 Gewerkschaftssekretär in Duisburg. 1933 erfolgt eine erste kurzzeitige Inhaftierung (Schutzhaft). 1933 bis 1934 ist er maßgeblich am Widerstand in Duisburg beteiligt (Brotfabrik Germania). 1934 erneut verhaftet, wird er wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu fünf Jahren Haft verurteilt.

1939 findet er Beschäftigung und Unterschlupf bei einer amerikanischen Firma in Wesseling. 1944 wird er zum Arbeitseinsatz am Westwall verpflichtet. Das Kriegsende erlebt er in der Eifel. Von dort wird er in einem amerikanischen Jeep nach Bonn geholt und am 31.3.1945 durch die Militärregierung in den "Fünferrat" berufen. Am 13.8.1945 erfolgt die Ernennung zum ersten Beigeordneten und Bürgermeister der Stadt Bonn. Er übernimmt den gesamten Sozialbereich; im Bonn der Nachkriegszeit eine schier unlösbare Aufgabe. Unkonventionell und pragmatisch geht er an die Arbeit. Eigenhändig kocht er Suppe im Hofgarten. Sein Amtszimmer ist immer offen für in Not geratene Bürger, um die er sich persönlich kümmert. Am 29.11.1946 erfolgt seine Wahl zum Stadtdirektor. Dies Amt füllt er 18 Jahre bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1964 aus. "Vater der Armen" ist sein Ehrentitel in Bonn. "Wir müssen helfen und nicht Akten anlegen" das Motto seiner Arbeit, dem er sich immer verpflichtet fühlt.

Nach seiner Pensionierung gehört er noch fünf Jahre als Mitglied der SPD-Fraktion dem Rat der Stadt Bonn an. Bei der Wahl 1964 holt er das einzige Direktmandat für die SPD.

Zahlreich sind seine Ehrenämter. Er ist der erste Vorsitzende des Festausschusses Bonner Karneval, Ehrenmitglied weiterer Karnevalsgesellschaften, viele Jahre Vorsitzender des Tierschutzvereins usw.

1979 wird er mit der Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Bonn geehrt. Er stirbt am 7. Juli 1985 im Alter von 85 Jahren. Das Altenwohnheim der Caritas in Poppelsdorf trägt seinen Namen.