Viel Bewegung in der Kultur

Der (herbeigeredete) Konflikt zwischen Kultur und Sport, die Finanzierung der städtischen Bühnen und der Freien Szene, das Beethovenjubiläum und das Desaster um die Beethovenhalle – das waren im Kulturausschuss die bestimmenden Themen der letzten Jahre.

Erstmals haben wir einen Sport- und Kulturempfang im Pantheon durchgeführt, der auf überaus gute Resonanz bei Sportverbänden und -vereinen, Kulturvertreter*innen und Verwaltung stieß. Miteinander sprechen kann Missverständnisse ausräumen und helfen, gemeinsam und gleichberechtigt Sport und Kultur in unserer Stadt weiterzuentwickeln und auskömmlich zu finanzieren. Die zweite Ausgabe des Empfangs fiel in diesem Jahr Corona zum Opfer, wir hoffen auf eine Neuauflage 2021.

Fenja Wittneven-Welter Bild: ©s.h.schroeder

Anfang 2019 haben wir Vertreter*innen der freien Szene zu einem Werkstattgespräch eingeladen, um über zukünftige Weichenstellungen in der Stadt zu sprechen und uns über Sorgen und Probleme der freien Kultureinrichtungen auszutauschen. Die Anregungen aus der gut besuchten Veranstaltung haben wir in verschiedenen Anträgen gebündelt, um die freie Szene zu unterstützen und zu stärken. Zurzeit arbeitet die Verwaltung eine Neuordnung des Förderkonzeptes aus. Wir haben uns mehrfach um die Entwicklung des alten Schlachthofareals und um die Ansiedlung des „Westwerks“ bemüht und durch zwei Große Anfragen das Thema immer wieder auf die Agenda gebracht. Wir sind auch weiterhin davon überzeugt, dass Bonn ein solches Zentrum für Pop- und Rockmusik mit Saal und Proberäumen braucht.

Überdies haben wir einen Antrag gestellt, um den freien Eintritt in die städtischen Museen zu erreichen. Hier konnten wir uns nicht durchsetzen, aber die Verwaltung prüft nun verschiedene Formate, die zu freien Eintrittstagen führen sollen. Für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt bereits seit einem Jahr frei.

Der Weiterbetrieb des Kleinen Theaters Bad Godesberg ist gesichert – auch mit unseren Stimmen. Wir freuen uns sehr, dass der neue Pächter das Kleine Theater in Bad Godesberg in innovativer und dennoch bewährter Weise weiterführt.

Der Kürzung der Mittel für das Eurotheater Central haben wir nie zugestimmt, konnten uns in den Haushaltsberatungen aber nicht gegen die Kürzungspläne von Grünen, CDU und FDP durchsetzen. Das einzige mehrsprachige Theater in Bonn stand kurz vor der Schließung. Nun konnte endlich eine neue Heimat für das Theater gefunden werden. Wir haben dem Verkauf eines städtischen Gebäudes an das Eurotheater zugestimmt. Wir begleiten das Geschehen in enger Abstimmung mit Theater und Kulturverwaltung.

Der Zwischennutzung der alten Volkshochschule für die Künstlergruppe Rhizom haben wir zugestimmt und halten Zwischennutzungen auch in der Zukunft für einen gangbaren Weg, um Leerstand zu vermeiden und Kreativität freizusetzen. Allerdings muss den Nutzenden klar sein, dass eine Zwischennutzung eben nur eine Übergangslösung ist.

Wir haben übrigens dem Festausschuss Bonner Karneval einen Platz im Kulturausschuss zur Verfügung gestellt. Wir glauben, dass auch das immaterielle Kulturerbe Karneval Gehör im Kulturausschuss finden soll.

Die Corona Pandemie und die Schließungen und Abstandsregeln haben zu der größten Krise in der Kultur geführt, die es je gab. Und sie ist noch lange nicht zu Ende. Um zumindest einen Teil der negativen Folgen zu mindern, haben wir Miet- und Pachterlasse für städtische Gebäude beantragt  und mit dafür gesorgt, dass die Kulturverwaltung einen Hilfsfond in Höhe von rund 219.000 € aufgelegt und an viele Akteure der Bonner Kultur verteilt hat.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

Beethovens Geburtstag war geplant und dann kam zuerst das Beethovenhallen Desaster und hinterher eine Pandemie namens Corona. Im Februar 2018 war bereits klar, dass die Beethovenhalle zum Beethovenfest 2019 nicht fertig sein und das Beethovenjubiläum 2020 nur teilweise in der Beethovenhalle stattfinden würde. Das ganze Ausmaß der Katastrophe der Sanierung wurde dann im März 2019 öffentlich. Der Fertigstellungstermin sollte sich bis ins Jahr 2022 verzögern und die Kostenprognose stieg mittlerweile auf 166 Mio. Euro. Wir beantragten daraufhin eine Sonderratssitzung und legten der Verwaltung einen umfangreichen Fragenkatalog vor. Vor allen Dingen interessierte uns, warum die Stadt von der Beschaffenheit des Untergrunds der Beethovenhalle offenbar überrascht wurde. Wir konnten ein Dokument vorlegen, das bewies, dass bereits in den 90er Jahren derartige Untersuchungen angestellt wurden, die der Verwaltung und auch Teilen der Politik bekannt waren. Da wir der Sanierung der Beethovenhalle nie zugestimmt hatten, sondern uns – nach dem Aus für das privat finanzierte Festspielhaus – für eine kleine Sanierungsvariante ausgesprochen hatten, haben wir alle Vorlagen der Verwaltung seither konsequent abgelehnt und werden dies auch weiterhin tun. Mittlerweile ist auch die erste Zeiteinschätzung obsolet; die Beethovenhalle soll erst 2024 fertig gestellt werden und die Kosten schießen weiter in die Höhe.

Wegen Corona mussten dann sämtliche Veranstaltungen ab März abgesagt werden. Mitten in voller Fahrt traf das auch das Beethovenjubiläum. Glücklicherweise konnte die Jubiläumsgesellschaft BTHVN mit dem Bund vereinbaren, dass die Mittel ins nächste Jahr übertragen werden können und große Teile des Programms – vor allem die vielen kleinen Projekte mit lokalen Akteuren –2021 durchgeführt werden können. Die Gelder von Land und Bund werden also weiter genutzt und dürften im Übrigen auch nicht für andere Zwecke verausgabt werden.