Kulturausschuss: Ein Museum im Rathaus, Beethoven und viele Erinnerungen

Bericht aus der Sitzung des Kulturausschusses vom 18. Oktober 2022, u.a. zu Erinnerungspolitik, Stadtmuseum und Beethovenjubiläum.

Erinnerungen haben alle Menschen, zusammengenommen bilden sie aber auch das kollektive Gedächtnis einer Stadt ab. Im Kulturausschuss haben die Mitarbeitenden und der Leiter des Zentrums für Erinnerungskultur der Stadt Bonn, Dr. Hoffmann, berichtet, wie sie sich auch schwierigen Erinnerungen nähern. In der NS-Zeit wurden viele Straßen nach Unterstützern und Steigbügelhaltern der Nationsozialisten benannt. Wie geht man damit um? Soll man die Straßen umbenennen? Soll man den Anwohner:innern folgen, die meist ihre Adresse nicht ändern wollen? Soll man mit Informationen ergänzen? Die vielen Einzelfälle werden nun gebündelt  bearbeitet, alleine 60 Straßen haben Namen, die zumindest strittig sind. Hinzu kommen Grabmäler, Gedenktage und vieles mehr. Hier müssen nun Recherche, Information und Bürgerbeteiligung geleistet werden, um das Ziel eines Gesamtkonzeptes zu erreichen. Wie dies dann aussieht, wird sich zeigen.

Fenja Wittneven-Welter Bild: ©s.h.schroeder

Um kollektive Erinnerung geht es auch beim Stadtmuseum. Die neue Leiterin des Museums, Frau Katzy, hat sich und die Art der Neukonzeption des Museums im Ausschuss vorgestellt. Es wird auch in Zukunft eine stadthistorische Ausstellung geben. Aber zusätzlich werden die vielen Erinnerungen und Eindrücke der Bonnerinnen und Bonner aufgenommen. Es wird bereits an vielen Stellen in der Stadt, vor allem im Studio_bnx in der Franziskanerstraße, Material gesammelt und Menschen befragt. Dies soll in die neu konzipierte Ausstellung Eingang finden.

Auch der neue Standort des Museums wurde im Kulturausschuss besprochen. Die Kulturdezernentin Dr. Schneider-Bönninger schlägt den Anbau des Alten Rathauses vor und möchte hierzu eine Machbarkeitsstudie auf den Weg bringen. Der Anbau beherbergt zurzeit noch Teile der Verwaltung und, was viele nicht wissen, das 1954 gebaute Gebäude war ursprünglich das Bonner Kunstmuseum! So würde sich der Kreis schließen und die Stadt könnte, mit relativ geringem baulichem (und finanziellem) Aufwand, einen Ort im Herzen der Stadt für das neue Stadtmuseum schaffen.

Das Beethovenjubiläum 2020 konnte wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant stattfinden. So sind auch Fördermittel nicht ausgegeben worden. Um die Förderung des Bundes bei der Stadt zu behalten, war es nötig ein Anschlussprojekt zu konzipieren, auch und gerade im Hinblick auf die nächsten Beethoven-Jubiläen. Der Intendant des Beethovenfests, Steven Walter, hat das Programm vorgestellt. Es sieht vor, junge Talente aus der ganzen Welt in die Beethovenstadt einzuladen, um sich musikalisch weiter zu entwickeln und letztlich auch die Jubiläen damit zu bereichern. Die Stadt würde hier jährlich nicht verausgabte Jubiläumsmittel einbringen und dafür vom Bund mehrere Millionen von deren nicht ausgezahlten Fördermitteln als Projektunterstützung erhalten. Eine Win-Win-Situation und hoffentlich der Beginn einer stetigen Unterstützung des Bundes für uns als Beethovenstadt.